Titel Mirio Romano


Autorenliste

Joseph von Eichendorff
Robert Faesi
Heinrich Federer
Jeremias Gotthelf
Gertrud Heizmann
Meta Heusser-Schweizer
Alfred Huggenberger
Meinrad Inglin
Gottfried Keller
Selma Lagerlöf
Plinio Martini
Olga Meyer
Otto Schaufelberger
Johanna Spyri
Adalbert Stifter
Theodor Storm
Mark Twain

Melodien und Worte

Kleine musikalisch-literarische Reisen ins Land der Erinnerungen

Eine Fortsetzung seiner Tätigkeit als Verleger der Kilchberger Drucke findet Mirio Romano in der Gestaltung der Vortragsreihe «Melodien und Worte». Damit bringt er Andern literarische Texte in einer kurzweiligen und leicht verständlichen Form näher. Die Inhalte sind auf das Wesentliche gekürzt, wahren aber den Charakter des Werkes.
Das Ganze ist als einstündige Aufführung konzipiert, die Mirio Romano zusammen mit Robert Hauser gestaltet. Die von Mirio Romano ausgewählten und zu einem stimmigen Ganzen zusammengestellten Textauszüge werden von Robert Hauser vorgelesen, dazwischen erklingt passende Musik mit Violine und Klavier. Einige Präsentationen werden mit projizierten Bildern ergänzt.
Die Aufführungen sind für ältere Menschen in Altersheimen gedacht - schöne Erinnerungen sollen wachgerufen werden!

Zusammenfassende Inhaltsangaben der präsentierten literarischen Werke sind über den jeweiligen Titel-Link zu erreichen.
Die Manuskripte mit den gekürzten Originaltexten sind in der Zentralbibliothek Zürich in der Abteilung Turicensia zu finden und stehen Interessenten für eine allfällige Aufführung gleicher Art kostenlos zur Verfügung. Die genaue Signatur steht bei der jeweiligen Inhaltsangabe.

Die Veranstaltungen im Überblick

Inhaltsangabe 1
Wer sucht, der findet
Jeremias Gotthelf: Wie Joggeli eine Frau sucht
Inhaltsangabe 2
Frisch gewagt ist halb gewonnen
Gottfried Keller: Das Fähnlein der sieben Aufrechten
Inhaltsangabe 3
Eine Nacht in Eis und Schnee
Adalbert Stifter: Bergkristall
Inhaltsangabe 4
Dank an die Musik
Johanna Spyri: Einer vom Hause Lesa
Inhaltsangabe 5
Auswanderung - Eine Stimme aus dem Tessin
Plinio Martini: Il fondo del sacco
Inhaltsangabe 6
Ende gut, alles gut
Gottfried Keller: Kleider machen Leute
Inhaltsangabe 7
Versöhnung
Jeremias Gotthelf: Der Besuch
Inhaltsangabe 8
Ums tägliche Brot
Alfred Huggenberger und Otto Schaufelberger: Eine Begegnung
Inhaltsangabe 9
Morge früe, wenn d Sunne lacht
Gertrud Heizmann: Die Sechs am Niesen
Inhaltsangabe 10
Ein liebevolles Herz
Selma Lagerlöf: Das Mädchen vom Moorhof
Inhaltsangabe 11
Johanna Spyris Mutter erzählt ihr Leben
Meta Heusser-Schweizer: Hauschronik
Inhaltsangabe 12
Gratwanderung (im übertragenen Sinn)
Meinrad Inglin: Gratwanderung
Inhaltsangabe 13
Dona nobis pacem
Jeremias Gotthelf: Uli der Pächter (u.a.)
Inhaltsangabe 14
Eile mit Weile
Mark Twain: Rigireise
Inhaltsangabe 15
Wir spielen immer
Wilhelm Tell im Grünen Heinrich von Gottfried Keller
Inhaltsangabe 16
Ich bin nun, wie ich bin
Heinrich Federer: Vater und Sohn im Examen
Inhaltsangabe 17
Der Schmid seines Glücks
Jeremias Gotthelf: Wie Christen eine Frau gewinnt
Inhaltsangabe 18
Küss' eine weisse Galatee
Gottfried Keller: Das Sinngedicht
(Die Rahmenerzählung)
Inhaltsangabe 19
Eine glückliche Familie
Olga Meyer erzählt aus ihrem Leben
Inhaltsangabe 20
Vom wilden Mann zum achtsamen Gatten
Meinrad Inglin: Das Gespenst
Inhaltsangabe 21
Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume
Jeremias Gotthelf: Die Versöhnung
Inhaltsangabe 22
Gleich und Gleich gesellt sich gern
Gottfried Keller: Die missbrauchten Liebesbriefe
Inhaltsangabe 23
«Heidi» - neu entdeckt
mit Bildern von Rudolf Münger

Johanna Spyri: Heidi auf der Alp
Inhaltsangabe 24
Wie eine ferne weisse Lilie
Theodor Storm: Immensee
Inhaltsangabe 25
«Heidi» - neu entdeckt
mit Bildern von Rudolf Münger

Johanna Spyri: Heidi in Frankfurt
Inhaltsangabe 26
Ende gut, alles gut
Die schöne Wendelgard
(aus: Gottfried Kellers «Der Landvogt von Greifensee»)
Inhaltsangabe 27
Ehrlich währt am längsten
Jeremias Gotthelf: Hansjoggeli der Erbvetter
Inhaltsangabe 28
«Heidi» - neu entdeckt
mit Bildern von Paul Hey

Johanna Spyri: Heidi wieder daheim
Inhaltsangabe 29
Ach, wer da mitreisen könnte ...
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts
Inhaltsangabe 30
... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein
Robert Faesi: Zürcher Idylle
1. Teil: Hochgespannte Erwartungen
Inhaltsangabe 31
... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein
Robert Faesi: Zürcher Idylle
2. Teil: Eine idyllische Seefahrt
Inhaltsangabe 32
... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein
Robert Faesi: Zürcher Idylle
3. Teil: Allerlei Verwirrungen
Inhaltsangabe 33
... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein
Robert Faesi: Zürcher Idylle
4. Teil: Unerwartetes Finale
Inhaltsangabe 34
Stille Wasser sind tief
Jeremias Gotthelf: Der Notar in der Falle
Inhaltsangabe 35
Liebe auf gut Glück
Gottfried Keller: Die Geisterseher

 

 

Inhaltsangaben

Liebe auf gut Glück
Gottfried Keller: Die Geisterseher
Enthalten in: Das Sinngedicht

Zwei junge Leute - Herr Reinhart und Lucie, die bei ihrem Onkel ein schlossartiges Haus bewohnt - erzählen sich gegeseitig längere Geschichten, um so ihre unterschiedlichen Standpunkte in Bezug auf die Stellung von Mann und Frau zu begründen.
Nun gesellt sich der Onkel zu ihnen und meint: «Ich habe die Ehre, Ihnen in mir einen alten Junggesellen vorzustellen, der vor langen Jahren einst zum Gegenstand der Wahlüberlegung eines Frauenzimmers geworden, und dabei so schmählich unterlegen ist, dass ihm das Heiraten für immer verging». Seine Geschichte:
Zwei Männer - der erzählende Onkel von Lucie und sein Freund Mannelin - sind in die selbe Frau verliebt und werben um ihre Gunst. Sie selbst liebt die beiden Männer gleichermassen, was sie sehr verunsichert. «Wen soll ich wählen, wer von beiden ist mir besonders lieb, steht mir besonders nah?» In ihrer Not lässt sich die junge Frau etwas einfallen, das man bei seiner Ausführung mit wachsender Spannung verfolgt. Sie inszeniert gewissermassen ein 'Theaterstück', in welchem sie die Hauptrolle spielt und dabei ihren Teil in eigener Regie führt; den Rest der Handlung überlässt sie kühn dem Schicksal ...

Signatur VAR Melodien und Worte 149 35

Stille Wasser sind tief
Jeremias Gotthelf: Der Notar in der Falle

Luise heisst die Hauptperson in der zugleich ernsten und heiteren Erzählung von Jeremias Gotthelf. Sie freut sich, wenn ihre Freundinnen ihr im vollen Vertrauen von ihren Geliebten berichten. Zugleich leidet sie darunter, dass sie selber keinen Freund hat. In dieser Situation vernimmt sie, dass eine ihrer Freundinnen sie als Brautführerin an ihrer Hochzeit wünscht. Allein die Tatsache, einen ganzen Tag mit dem jungen und galanten Brautführer, dem Notar des Ortes, verbringen zu können, ist für sie Glück genug.
Nach dem für Luise beglückenden Fest lässt ein tiefes Verlangen nach dem geliebten Mann die Frage aufkommen: «Was soll ich tun, um ihn wiederzusehen?» In ihrer Not kommt ihr ein rettender Gedanke. Was sie in der Folge unternimmt, wird ihr gewissermassen von innen diktiert. Beinahe unbewusst breitet sie ein feines Netz aus, um den Notar für sich zu gewinnen. So viel sei verraten: Dies gelingt ihr schliesslich.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 34

... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein ...
Robert Faesi: Zürcher Idylle
Vierter Teil: Unerwartetes Finale

Klopstock ist verstimmt und weiss weder aus noch ein, hat er sich doch mit seinem Gastgeber, dem Professor Bodmer, heftig zerstritten. Seine Freunde laden ihn zu einem geselligen Abend ins Wirtshaus ein, doch will es ihnen nicht gelingen, ihn aufzuheitern.
Jetzt bemerkt er den jungen und schmucken Mann, der sich zu ihnen an den Tisch setzt. Er wird von den Freunden als Hans Beat von Meiss erkannt, der von fremden Diensten in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Auf dem Heimweg kommen die beiden jungen Männer ins Gespräch. Klopstock findet in seinem Begleiter einen aufgeschlossenen Mann.
Vor dem Hause Annas bleiben sie für einen Augenblick stehen. Hier erfährt Klopstock, dass sein neuer Bekannter niemand anders ist, als Annas früherer Freund, der nun seinerseits über sein selbstverschuldetes Leid klagt.
Klopstock, der ohnehin das Gefühl hat, seine Zeit in Zürich sei abgelaufen, will sich mit Bodmer versöhnen; Anna Schinz soll die Vermittlerin sein. Im Gespräch mit ihr hofft er herauszufinden, wie es um ihre wahren Gefühle steht.
Inzwischen vernimmt Annas Vater, dass seine Tochter regelmässig im Hause Bodmer verkehrt und dort den Dichter Klopstock trifft. Über diesen Bericht aufs Höchste erbost macht er sich auf, um dem Professor die Leviten zu lesen. Während die beiden Alten in einen heftigen Streit geraten, vernimmt man Stimmen aus dem Garten; sie eilen hinaus: «... vor ihnen stand eine Gruppe von zwei Personen, der stramme Junker Meiss und die feine Gestalt der Anna in bräutlicher Vertrautheit aneinander geschmiegt, während Klopstock lachend und ganz sittsam in der schuldigen Entfernung stand ...».

Signatur VAR Melodien und Worte 149 33

... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein ...
Robert Faesi: Zürcher Idylle
Dritter Teil: Allerlei Verwirrung

Nach der fröhlichen Fahrt kommt am folgenden Tag eine nachdenkliche Stimmung auf, die den Dichter Klopstock und andere Beteiligte erfasst, nicht zuletzt Anna Schinz. Sie hat nämlich schon einen Freund und Verehrer, den Junker Hans Beat von Meiss, der von ihrem Vater hoch geschätzt wird. Dieser schmucke Bursche kehrt als gemachter Offizier in fremden Diensten auf Urlaub zurück und erscheint bei Vater und Tochter Schinz.
Ohne auf die im Haus Schinz herrschende Privatsphäre zu achten, plaudert der junge Offizier in gewandter und unbefangener Offenheit. Das scheue und leicht verwundbare Mädchen ist über sein Verhalten sehr enttäuscht und gibt ihm zu verstehen, dass er nicht mehr der alte Hans sei und sie ihn nicht mehr lieben könne.
Allein geblieben macht sich Anna die bittersten Vorwürfe. Sie versteht die Welt nicht mehr; «niemand hatte ihr den Blick erweitert, niemand ihr von Menschen und Dingen draussen erzählt».
In Gedanken lässt Klopstock einerseits die romantische Seefahrt noch einmal an sich vorbeiziehen: «Jetzt nahm uns die Au in die beschattenden kühlen Arme des Walds ...»; andererseits bemächtigt sich seiner eine tiefe Unruhe, und es kommt zu einer Auseinandersetzung mit Bodmer, die schliesslich zur Trennung von seinem Gönner führt.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 32

... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein ...
Robert Faesi: Zürcher Idylle
Zweiter Teil: Eine idyllische Seefahrt

Vom Arzt Johann Kaspar Hirzel angeregt, wird zu Ehren des «Messias»-Dichters Johann Gottlieb Klopstock eine Fahrt auf dem Zürichsee organisiert. Robert Faesi nimmt diese in seiner «Zürcher Idylle» auf und beschreibt sie.
Vom jungen Dichter geleitet und angeregt tummeln sich die meist jungen Leute auf der Halbinsel Au, freuen sich des Daseins, ohne die sittenstrengen Vorschriften Zürichs zu beachten; sie lassen sich vielmehr vom lebensfrohen Klopstock in seine Welt verführen. In einem ruhigen Moment während der Fahrt bitten ihn die Damen um eine Lesung aus seinem Werk. Wie er zu lesen beginnt, verbreitet sich eine erwartungsvolle Stille. Zu seinen aufmerksamen Zuhörerinnen gehört Anna Schinz, das Patenkind seines Gastgebers Bodmer, was den vorlesenden Dichter aufs Angenehmste berührt.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 31

... Lehre mein Lied jugendlich heiter sein ...
Robert Faesi: Zürcher Idylle
Erster Teil: Hochgespannte Erwartungen

Anna Schinz wohnt bei ihrem verwitweten Vater, einem wohlhabenden Bürger der Stadt. Sie besucht heimlich ihren Paten, den berühmten, von der Fachwelt hoch geachteten Professor Johann Jakob Bodmer, der in der Villa Schönenberg am Zürichberg seinen Wohnsitz hat. Sie möchte ihn bitten, ihr den «Messias», ein Jugendwerk des Dichters Johann Gottlieb Klopstock, leihweise zu überlassen. Die wenigen Zeilen, die sie daraus kannte, hatten sie tief berührt.
Es freut den sittenstrengen Bodmer sehr, sein Patenkind vom «Messias» so beeindruckt zu sehen, hat er doch die ersten Gesänge daraus weit herum bekannt gemacht und überdies den Dichter für einen längeren Aufenthalt zu sich nach Zürich eingeladen. Er selber arbeitet an einem Epos und hofft, gemeinsam mit seinem jungen Gast beglückende literarische Stunden verbringen zu können.
Mit dem wertvollen Buch in der Hand eilt Anna ihrem Wohnhaus zu. Kaum ist sie in ihrem Zimmer, blättert sie in dem Buch. Schon vernimmt sie diese Botschaft: «Aber, o Werk, das nur Gott allgegenwärtig erkennet, darf sich die Dichtkunst auch wohl aus dunkler Ferne dir nähern?» Anna liest weiter und ist von den feierlichen Worten des Dichters erneut sehr betroffen: «Wie wunderbar muss doch dieser Mensch sein», denkt sie und schafft sich so ein inneres Bild, das sie wie einen kostbaren Schatz bewahrt.
Klopstock trifft 1750 in Zürich ein. Bodmers grosse Erwartungen werden bitter enttäuscht: Der Messiasdichter entpuppt sich als «ein feuriger und weltoffener Jüngling, der mit jungen Gesellen zechte und die Küsse junger Mädchen nicht verschmähte» (Emil Ermattinger).

Signatur VAR Melodien und Worte 149 30

Ach, wer da mitreisen könnte
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts

Der Taugenichts liegt gerne an der Sonne und wischt sich den Schlaf aus den Augen, als sein Vater auftritt und meint: «Wenn du schon so faul herumliegst und mir bei meiner Arbeit nicht helfen willst, so mache dich auf, geh hinaus in die Welt und verdiene dein Brot». Eine gute Idee, findet der Taugenichts, Er macht sich auf den Weg und nimmt seine Geige mit, die er, wie es heisst «artig» zu spielen weiss.
Ein Reisewagen mit zwei jungen adeligen Damen holt ihn ein. Die Damen sind von seinem Spiel und von seiner unbeschwerten Art beeindruckt und nehmen ihn mit nach Wien. Schon bald verliebt sich der Taugenichts in die jüngere «schöne Gräfin». Als Gärtner im Schloss angestellt, lässt er ihr die schönsten Blumen zukommen, die sie gern, wenn auch auf geheimnisvolle Art entgegennimmt.
Er beschliesst weiterzureisen. Rom ist sein nächstes Ziel. Es folgen die unglaublichsten Abenteuer. Am Schluss der Erzählung wird die scheinbar komplizierte Geschichte geklärt - «und alles, alles war gut».

Signatur VAR Melodien und Worte 149 29

«Heidi» - neu entdeckt mit Bildern von Paul Hey (1867-1927)
Johanna Spyri: Heidi wieder daheim

Grosser Tumult im Hause Sesemann in Frankfurt. In aller Morgenfrühe zieht der Hausherr an jedem Glockenzug, um die Dienerschaft zu wecken. Die Hausdame vernimmt, dass unverzüglich eine Reise vorbereitet werden muss, mehr erfährt sie im Moment nicht. Fräulein Rottenmeier glaubt nichts anderes, als Herr Sesemann sei vom gefürchteten Gespenst, das in letzter Zeit im Hause spukt, überrascht und möglicherweise angegriffen worden. Beim Morgengrauen hätte sie nicht ungern eine spannende Geistergeschichte vernommen. Heidi sei, so erfährt man endlich, aus Heimweh mondsüchtig geworden und wandle nachts herum. - Heidi darf zurück in ihre Heimat reisen. Ihr tiefes Verlangen wird gestillt. Die wunderbare Welt der Natur, die Berge im Widerschein der Sonne und vieles mehr erlebt sie zugleich als vertraut und als neu.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 28

Ehrlich währt am längsten
Jeremias Gotthelf: Hans Joggeli der Erbvetter

Gleich zu Beginn der Erzählung begegnet der Leser einem «alt, klein Männchen», das gemächlich einem grossen Wirtshaus zuschreitet, in die Stube tritt mit dem Wunsche «Guten Abend miteinander». Er wird von der Wirtin wie von den anderen anwesenden Gästen freundlich und mit Respekt begrüsst. Der bescheiden auftretende Mann ist der reiche, alleinstehende Bauer, der von einer Unzahl von sogenannten Vettern und Basen bestürmt und in Beschlag genommen wird. Sie alle haben es auf sein Geld und auf seinen Besitz abgesehen. Alle diese «Pilgrime», die ihn von allen Seiten aufsuchen, möchten in seinem Testament an möglichst oberster Stelle stehen. Hans Joggeli aber durchschaut die «Verwandten», die ihn mit schmeichlerischen Worten bestürmen und ihn für ihre Interessen gewinnen möchten. Auf einen berechtigten Wunsch kann er aber eingehen und dort helfen, wo es der Moment verlangt.

In einer kurzen Zusammenfassung der Erzählung äussert sich Walter Muschg wie folgt: «Dieser überlegene Schlaukopf, der sich nach einem guten Sterben hinlegt und dafür sorgt, dass sein schöner Hof in die rechten Hände kommt, ist ein Bauer von hoher Rasse, wie ihn Gotthelf über alles liebt: langsam, gelassen und verschwiegen, bei aller Güte und Frömmigkeit ein Schalk, der es nicht lassen kann, den Dummen und Schlechten, die ihn unterschätzen, einen Schabernack zu spielen.»

Signatur VAR Melodien und Worte 149 27

Ende gut, alles gut
Die schöne Wendelgard
(aus Gottfried Kellers «Der Landvogt vom Greifensee»)

Figura Leu heisst die jugendliche Frau, die Gottfried Keller in seiner Rahmenerzählung «Der Landvogt vom Greifensee» als «elementares Wesen» beschreibt, das nur vom «Tanzen und Springen» zu leben scheint. Salomon Landolt, der Landvogt, und Figura Leu begegnen sich an einem Gartenfest in Sihlwald und kommen sich bei dieser Gelegenheit näher. Figura Leu erklärt offen, dass sie, von einer schweren von der Mutter ererbten Krankheit bedroht, nicht heiraten könne. Trotz der traurigen Lage bleiben die beiden Liebenden, die eigentlich füreinander bestimmt wären, freundschaftlich miteinander verbunden.
Nun beginnt die eigentliche Geschichte, in der Figura Leu als Schicksalsgöttin eine entscheidende Rolle spielt. Salomon Landolt hat sich der stadtbekannten schönen Wendelgard angenommen. Er will der verschuldeten Frau beistehen, tut es auch, verliebt sich aber in sie und will sie heiraten. Wendelgard bittet um Bedenkzeit, die sie mit ihrem Vater in einem von der vornehmen Gesellschaft frequentierten Hotel verbringen will. Figura Leu, die sich zufällig im gleichen Hotel aufhält, macht ihre Bekanntschaft. Im vertraulichen Gespräch erfährt sie den Grund für Wendelgards Aufenthalt. Nicht ganz frei von Eifersucht bedenkt sie, dass die schöne Wendelgard nicht die richtige Frau für ihren Freund Salomon Landolt sei. Mit Hilfe ihres Bruders Martin sucht sie einen Ausweg. Martin Leu übernimmt die ihm gestellte Aufgabe. Nun will es das Schicksal, dass er sich seinerseits in die schöne Frau verliebt ...

Signatur VAR Melodien und Worte 149 26

«Heidi» - neu entdeckt mit Bildern von Rudolf Münger (1862-1929)
Johanna Spyri: Heidi in Frankfurt

Das in natürlicher Umgebung aufgewachsene Heidi hat auf der Alp ein freies und unbeschwertes Leben geführt. Nun wird es in eine fremde Stadt verpflanzt, wo es in einem vornehmen Milieu die kranke Tochter des Hauses, Klara, im Unterricht begleiten soll. Heidi findet sich in dieser neuen Welt nicht zurecht. Schon zu Beginn seines Aufenthaltes versucht es, ins Freie zu gelangen, um dort, wie es hofft, das Rauschen der Tannen zu hören. Das Abenteuer, das nun folgt, bringt das ganze Haus in grösste Aufregung.
Klara ihrerseits freut sich über Heidis Gegenwart: «Seit Heidi da ist, begegnet immer etwas, jeden Tag, und es ist so kurzweilig, ganz anders als vorher...» Der Mutter des Hausherrn Sesemann gelingt es, das Herz von Heidi zu gewinnen und es so weit zu beeinflussen, dass es gerne lesen lernen will.
Ein starkes Heimweh befällt das Kind; es wird mondsüchtig. Nachts steht es auf, öffnet die schwere Haustüre, schaut in die dunkle Nacht hinaus, als suchte es die Vergangenheit einzufangen.
Später wird sich Heidi an den freundlichen Doktor erinnern, der sie liebevoll in ihr Zimmer begleitet und die entscheidenden Worte sagt: «Morgen wird alles gut».

Signatur VAR Melodien und Worte 149 25

Wie eine ferne weisse Lilie
Theodor Storm: Immensee

Ein älterer Mann setzt sich auf seinen Lehnstuhl und beobachtet einen Mondstrahl, der die Wände des Zimmers beleuchtet. Das Licht fällt auf ein Bild, das ein junges Mädchen darstellt. Vor seinem inneren Auge entstehen Erinnerungsbilder: Einem älteren Bruder gleich erzählt der Bub Reinhard seiner kleinen Gespielin Elisabeth Geschichten, die er frei ausschmückt und für sie aufschreibt. Über ihre Kindheit hinaus bleiben Reinhard und Elisabeth freundschaftlich miteinander verbunden. Reinhard wird Student in einer fremden Stadt. An einem Weihnachtstag erhält er ein Paket von den Seinen, darunter ist auch eine Sendung von Elisabeth mit einem Brief, der tiefes Heimweh in ihm wachruft. Reinhard reist in die Heimat. Beim Wiedersehen spürt er, wie sich im Benehmen von Elisabeth etwas verändert hat. Er erfährt, dass sein Freund Erich den Hof seines Vaters übernommen hat und Elisabeth heiraten wird.
Jahre vergehen. Reinhard begibt sich nach Immensee, wo er von Erich in seinem Heim erwartet wird. Elisabeth ist betroffen vom unerwarteten Besuch ihres Jugendfreundes. Im Gespräch zu dritt spürt sie deutlich, wie eine alte Vertrautheit sie noch immer mit Reinhard verbindet.
Erich, der eher nüchtern denkende, aber zärtliche Ehemann, wird von diesen Gefühlen seiner Frau nichts merken. Reinhard hingegen ist von der Wiederbegegnung mit Elisabeth tief berührt. Eines Abends entdeckt er auf dem See eine weit entfernte weisse Wasserlilie. Er entledigt sich seiner Kleider und schwimmt ihr entgegen; sie wird zum Symbol für seine innige Zuneigung und Verbundenheit mit Elisabeth.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 24

«Heidi» - neu entdeckt mit Bildern von Rudolf Münger (1862-1929)
Johanna Spyri: Heidi auf der Alp

In Johanna Spyris «Heidi auf der Alp» begegnen wir einem fröhlichen Kind, das sich am Rauschen der Tannen erfreut, die blühenden Alpenblumen, den Sonnenuntergang und vieles mehr aufmerksam betrachtet und in sich als bleibende Eindrücke aufnimmt.
In «Heidi's Lehr- und Wanderjahre» - wie der Titel des ganzen Werkes lautet - wird keine «heile Welt» dargestellt; es fehlt auch hier nicht an kleineren und grösseren Problemen. Sie können aber mit gutem Willen gelöst werden.
Wir erleben eine überschaubare Welt, die Platz bietet für Hoffnung und Vertrauen. Der gewählte Text folgt den Bildern von Rudolf Münger, welche in den Heidi-Aufführungen projiziert werden.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 23

Gleich und Gleich gesellt sich gern
Gottfried Keller: Die missbrauchten Liebesbriefe

Viggi Störteler will die «dornenvolle Laufbahn eines Dichters betreten». Unter dem Dichternamen Kurt von Walde schreibt er seine sentimentalen Betrachtungen. Von seiner schönen Frau Gritli erwartet er Anregungen und will sie dazu bringen, ihn auf seinen dichterischen Höhenflügen zu begleiten. Er begibt sich auf eine längere Geschäftsreise und will seiner Frau regelmässig Briefe schreiben, die sie im gleichen Ton beantworten soll.
Der erste Brief trifft ein, Gritli ist hilflos. In ihrer Not wendet sie sich an den jungen Nachbarn Wilhelm, von dem sie weiss, dass er sie gerne sieht. Er soll den Brief beantworten, den sie auf ihre Art neu schreibt. In aller Unschuld übernimmt Wilhelm diese Aufgabe und schreibt nun seinerseits einen glühenden Liebesbrief, der, neu geschrieben und entsprechend verändert an Viggi Störteler weitergeschickt wird. Dieser glaubt sich endlich verstanden und schreibt immer häufiger.
Bei seiner Rückkehr kommt die Sache an den Tag. Viggi verstösst seine Frau und lässt sich scheiden. Wilhelm schämt sich und flüchtet in ein romantisches Winzerhäuschen, das er bewohnen kann. Dort macht er sich einen Namen als einfühlsamer Ratgeber. Auch Gritli besucht ihn. Auf einem romantischen Spaziergang durch den Wald wird manches Missverständnis geklärt und den beiden wird bewusst, dass sie sich schon immer geliebt haben. Viggi Störteler seinerseits verbindet sich mit einer kuriosen und schwärmerischen Frau.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 22

Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume
Jeremias Gotthelf: Die Versöhnung

Die Erzählung «Die Versöhnung» erschien 1842 als selbständiger erster Teil von Gotthelfs späterem Roman «Geld und Geist».
In einem schönen Bauernhof in Liebiwyl wird der Hausfrieden durch einen grösseren materiellen Verlust zerstört. Christen und Änneli machen sich gegenseitig mit Vorwürfen aller Art das Leben schwer. Änneli ist verzweifelt und «lässt ihren Tränen freien Lauf» . Auch Christen fühlt sich allein und unverstanden.
Eine eindringliche Pfingstpredigt über die Versöhnung wird Ännelis Fühlen und Verhalten verändern. Sie macht die Runde ums Haus, besichtigt die Ställe, geht hinters Haus und betrachtet die prächtigen Bäume, die weite Landschaft: «So schön hatte sie noch nie alles gesehen». Änneli fühlt einen tiefen Frieden im Herzen, den sie weitergeben möchte. Am Tisch verhält sie sich friedlicher als sonst. Sie schenkt den Kaffee selbst ein und Christen erhält besonders viel von der Milchhaut, was ihn angenehm überrascht. Er wird gesprächig. Vor dem Einschlafen spricht Änneli erst zögernd, dann gemeinsam mit Christen das Vaterunser. Die Herzen der beiden finden sich wieder in Frieden.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 21

Vom wilden Mann zum achtsamen Gatten
Meinrad Inglin: Das Gespenst

Der Schriftsteller Meinrad Inglin (1883-1971) verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Schwyz.
In der Erzählung «Das Gespenst» begleiten wir einen temperamentvollen und lebensfrohen Mann auf seinem Weg vom «wilden Mann zum achtsamen Gatten». Er hat einen weichen Kern, vernachlässigt aber seine Frau. Eines Tages glaubt er sich allein im Hause, zieht eine Ritterrüstung an und tobt sich aus. Für einige Zeit lebt er in der Welt seiner Fantasien, bis er - von der Wirklichkeit eingeholt - aus seinen Träumen erwacht und in einem dramatischen Moment einsieht, wie lieblos er sich seiner Frau gegenüber bisher verhalten hat.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 20

Eine glückliche Familie
Olga Meyer erzählt aus ihrem Leben

Olga Meyer (1889-1972) wuchs in Zürich auf, am Zeltweg. In der Nähe wohnte auch Johanna Spyri, der sie manchmal als Kind begegnet ist und deren Bücher sie las.
In ihren Erinnerungen beschreibt sie liebevoll ihren Vater, der Briefträger war, und ihre besorgte Mutter. In einfachen Verhältnissen lebend führten sie ein glückliches Familienleben.
Aus dem Erinnerungsband «Olga Meyer erzählt aus ihrem Leben», 1968 erschienen, wurden drei Kapitel ausgewählt: «Wir wohnten damals», «Von diesen Bergen» und «Das Geschenk».

Signatur VAR Melodien und Worte 149 19

Küss' eine weise Galatee
Gottfried Keller: Das Sinngedicht (Die Rahmenerzählung)

Bei seinen Arbeiten hat sich Reinhard, ein junger Naturforscher, die Augen verdorben. Er ist verwirrt und wird sich bewusst, dass er in letzter Zeit gar nicht richtig gelebt hat. Fluchtartig verlässt er seinen Arbeitsort und zieht hinaus ins pulsierende Leben. Ein zweizeiliger Vers begleitet ihn auf seinem ungewöhnlichen Weg. Er will nämlich prüfen, ob sich die Aussage des Sinngedichtes «Küss' eine weisse Galatee, sie wird errötend lachen» bewahrheitet. Nach verschiedenen Abenteuern macht er die Bekanntschaft von Lucie, die mit ihrem Oheim in einem schlossähnlichen Hause wohnt. Die beiden jungen Leute erzählen sich gegenseitig längere Geschichten und begründen so ihre unterschiedlichen Standpunkte in Bezug auf die Stellung von Mann und Frau. Eines Tages sind sie unterwegs und erleben dabei eine so rührend-komische Szene, dass beide in lautes Lachen ausbrechen. Spontan neigt sich Reinhard zu Lucie und küsst sie. Sie lacht noch immer, wird aber gleichzeitig über und über rot. Jetzt erst merken die «Liebenden», dass sich das Sinngedicht erfüllt hat.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 18

Der Schmied seines Glücks
Jeremias Gotthelf: Wie Christen eine Frau gewinnt

Christen, Sohn der wohlhabenden Wirtin des Ortes, belauscht ein Gespräch zwischen seiner Mutter und der Hausiererin Grit. Sie reden von einer «wundersamen» noch unverheirateten Tochter der reichen «Sunnebure» hoch oben im Trubertal. Er glaubt, das Mädchen in seiner eigenen Art der Empfindung und des Handelns erkannt zu haben; sie interessiert ihn und er möchte sie als Frau gewinnen. Er will es aber allein schaffen, ohne die Unterstützung der beiden Frauen.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 17

Ich bin nun, wie ich bin
Heinrich Federer: Vater und Sohn im Examen

Der Heimatdichter Heinrich Federer (1866-1928) ist in Brienz geboren.«Vater und Sohn im Examen»ist Teil einer Sammlung von Erzählungen, die unter dem Titel «Lachweiler Geschichten» erschienen sind.
Wir nehmen Teil an einem Schulexamen. Der kleine Sohn des Schullehrers liebt die Natur und kennt sich in den verschiedenen landwirtschaftlichen Arbeiten schon recht gut aus, nur hapert es beim Buchstabieren. Am Examenstag sind der Pfarrer, der Schulpräsident und andere Persönlichkeiten anwesend. Die Lage wird umso gespannter, je mehr sich der Moment nähert, an dem Wenzel, der Lehrersohn, sein Können zeigen soll. Das Examen wird für Vater und Sohn zum entscheidenden Erlebnis.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 16

Wir spielen immer
Wilhelm Tell im Grünen Heinrich von Gottfried Keller

Einige Dörfer im Zürcher Unterland führen gemeinsam im Freien den «Wilhelm Tell» von Friedrich Schiller auf. Die Laiendarsteller von Tell, Gessler und auch von einfachen Leuten aus dem Volk identifizieren sich weitgehend mit ihren Rollen. Es kommt zu naturalistischen Szenen, die bald glaubwürdig wirken, bald ans Komische grenzen. Ohne die möglichen Folgen zu bedenken, wählt Heinrich für sich die Rolle des Rudenz. Die österreichische Adlige Berta wird von Anna, dem hübschen Töchterchen des Schulmeisters verkörpert.
Das Spiel geht weiter auf neuer, unerwarteter Ebene - ohne vorgeschriebenen Text, ohne andere Spieler aus dem Volk, ohne Publikum ...

Signatur VAR Melodien und Worte 149 15

Eile mit Weile
Mark Twain: Rigireise

Mark Twain, Autor von «Die Abenteuer des Tom Sawyer», lebte von 1835-1910.
Im vorliegenden humorigen Reisebericht beschreibt er, wie zwei Amerikaner die Rigi besteigen. Sie wollen oben den vielgepriesenen Sonnenaufgang erleben. Vorerst nehmen sie die Wanderung auf den Berg recht gemütlich; der Aufstieg wird aber immer mühsamer und sie erleben unterwegs und auf dem Gipfel des Berges die wunderlichsten Abenteuer.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 14

Dona nobis pacem
Jeremias Gotthelf: Uli, der Pächter

In der vorliegenden knappen Auswahl aus «Uli, der Pächter» von Jeremias Gotthelf wird die innere Entwicklung der beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten Uli und Hagelhans in den Vordergrund gerückt. Uli hat sich eine Schuld aufgeladen: Er hat einem armen Bauern für gutes Geld eine kranke Kuh verkauft, die kaum noch etwas abträgt. Es kommt zu einem Prozess, den Uli zu Unrecht gewinnt. Auf dem Heimweg vom Gerichtsort wird er von einem gewaltigen Gewitter überrascht, in dem er beinahe umkommt. Er versteht dies als Lektion und will die Sache wieder gut machen, indem er dem armen Mannli sein Geld zurückerstattet.
Eine ganz andere Gestalt ist der gefürchtete Hagelhans, der an einer Versteigerung den Hof des verstorbenen Gluggenbauers erworben hat. Im Gespräch mit Vreneli, die ihm durch ihre ehrliche und direkte Art Respekt einflösst, bekennt er in einer berührenden Szene, dass er ihr Vater sei und «gegen die Mutter gröblich gefehlt und sie ins Unglück gestürzt habe». Er fährt weiter: «Für meine Tochter will ich dich halten mein Leben lang, und Vater sollst du zu mir sagen...» - Sowohl Uli als auch Hagelhans finden durch Einsicht und entschiedenes Handeln ihren inneren Frieden.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 13

Gratwanderung (im übertragenen Sinne verstanden)
Meinrad Inglin: Gratwanderung

Meinrad Inglin (1893-1971) hat die meiste Zeit seines Lebens in Schwyz verbracht. - In dieser Geschichte begleiten wir zwei ganz unterschiedliche Paare auf ihrer Bergwanderung.
Da ist einmal Hedwig, die sich auf das Violindiplom vorbereitet und Albrecht, der sie in ihrem Studium ermutigt. Sein Freund Gregor hat eben sein Jus-Studium abgeschlossen. Er macht die Bekanntschaft mit Irene, einer attraktiven Frau aus gutem Hause, die, im Gegensatz zu Hedwig, vor allem an einem angenehmen Leben interessiert ist.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 12

Johanna Spyris Mutter erzählt ihr Leben
Meta Heusser-Schweizer: Hauschronik

Mit der «Hauschronik» von Meta Heusser (1797-1876) erfahren wir den Werdegang einer klugen Frau, die, von ihren Kindern angeregt, mit 76 Jahren auf ihr Leben zurückblickt und ihre Familiengeschichte zu schreiben beginnt. Wir vernehmen die authentische Stimme einer am Familienleben und am Zeitgeschehen teilnehmenden Frau. Durch die sprachliche Form und den ausgereiften Stil hat Meta Heusser unbewusst ein literarisches Werk geschaffen, das erst 1980 in Buchform erschienen ist. Es sind teilweise dramatische Geschehnisse, die in ihren Erinnerungen zur Sprache kommen, wie etwa die Berufung des Theologieprofessors Friedrich Strauss an die Universität Zürich, die «von konservativen Kräften in der Stadt bekämpft wurde und eine Aufstandsbewegung in der Landbevölkerung auslöste» (Karl Fehr). - Die Erinnerungen der zu ihrer Zeit bekannten Dichterin geistlicher Lieder sind geprägt vom Geist des Pietismus.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 11

Ein liebevolles Herz
Selma Lagerlöf: Das Mädchen vom Moorhof

In der Erzählung «Das Mädchen vom Moorhof» lässt die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940)die uneigennützige Liebe über Egoismus siegen. Wie in einem Theaterstück seien die Hauptpersonen dieser ungewöhnlichen und berührenden Liebesgeschichte kurz vorgestellt:
Helga; sie wohnt bei ihren Eltern in einem ärmlichen Haus auf dem Berg, von Wald und Moor umgeben.
Hildur; sie ist schön und selbstsicher, Tochter des Amtmanns auf dem grossen Bauernhof Alvakra.
Gudmund; ein junger Bauernsohn, wohnt in Närlunda bei seinen Eltern.
Eine einfühlsame Geschichte voller unerwarteter Wendungen.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 10

Morge früe, wenn d Sunne lacht
Gertrud Heizmann: Die Sechs am Niesen

Gertrud Heizmann, eine Berner Schriftstellerin (1905-1992)beschreibt in ihrem Jugendbuch «Die Sechs am Niesen» sehr anschaulich die vielfältigen und spannenden Erlebnisse von sechs lebhaften Kindern, die ihre Sommerferien mit Grossvater und Tanteli in einer Hütte auf der Bündialp im Niesengebiet verbringen. Die Kinder lernen auch die Not und das gefährliche Leben der Bergbewohner kennen. In der andauernden Trockenheit füllen sie im beinahe ausgetrockneten Heitibach ihre Behälter mit Wasser, um am Abend die durstigen Kühe zu tränken.
Einige Tage später bricht ein gewaltiges Unwetter los. Blitz folgt auf Blitz, der Donner rollt. Ein stürmischer Regen setzt ein; das Wasser fliesst in Strömen den Berg hinunter und verändert und verwüstet die vertraute Landschaft. Am Ende ihrer Ferien hilft ihnen ein sonst eher mürrischer Senn aus der Nachbarschaft über den immer noch reissenden breiten Bach.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 9

Ums tägliche Brot
Alfred Huggenberger und Otto Schaufelberger: Eine Begegnung

Otto Schaufelberger, der Schullehrer im Gebiet des Schnebelhorns im Zürcher Oberland, beschreibt in seinem 1964 erschienenen Buch «Menschen am Schnebelhorn» eine Begegnung mit dem zu seiner Zeit weitherum bekannten und beliebten Bauerndichter Alfred Huggenberger (1867-1960). Dieser taucht unerwartet im Gasthaus auf der Strahlegg auf, wo sich im Moment auch der Schullehrer aufhält. Eine Mitarbeiterin des Hauses glaubt den Dichter anhand von Bildern in lokalen Zeitschriften zu erkennen. «Ich wage es einfach, ihn zu fragen», so denkt sie und wendet sich mit ihrer Vermutung an den Gast. Dieser antwortet mit klarer und verständlicher Stimme in seinem Thurgauer Dialekt «Jawohl! - Der bin ich!». Die anderen Leute lauschen erstaunt, auch der Lehrer, der sich im Nachhinein schämt, den Gast wegen seines bescheidenen Auftretens unterschätzt zu haben. Die beiden verbringen in der Folge gemeinsam einen anregenden und gemütlichen Männer-Abend.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 8

Versöhnung
Jeremias Gotthelf: Der Besuch

Eine junge Bäuerin hat aus dem unteren ins obere Emmental geheiratet. Sie fühlt sich fremd in dieser Umgebung mit anderen Bräuchen; auch wird hier ein etwas anderer Dialekt gesprochen, gewisse Dinge des Alltags werden anders benannt. Sie steigert sich in ein starkes Heimweh hinein. Ihre Mutter würde sie sicher verstehen, so denkt sie. Eines Tages läuft sie mitten im Heuet mit ihrem Kleinkind davon. Im Elternhaus, aber auch im Dorfleben, wird ihr der Unterschied in der Lebensart der beiden Dörfer noch mehr bewusst. Sie bemängelt manche Einrichtung im Haus und im Garten. Im nächtlichen Gespräch öffnet ihr die «prächtige Mutter» (Walter Muschg) die Augen. Nun weiss sie, wo sie hingehört. Ihr Mann kommt ihr mit Ross und Wagen auf dem Weg ein Stück weit entgegen. Er und die Seinen nehmen sie still aber freundlich wieder auf.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 7

Ende gut, alles gut
Gottfried Keller: Kleider machen Leute

In dieser Seldwyler Geschichte beschreibt Gottfried Keller auf humorige Art und psychologisch fein gezeichnet das Schicksal des jungen Schneiders Wenzel Strapinski, der wegen seines guten Aussehens und seiner vornehmen Kleidung als Graf angesehen und von der Gesellschaft des Nachbardorfes Goldach in Beschlag genommen wird. Er verliebt sich in Nettchen, die Tochter des Amtsrats. Auch sie ist ihm wohlgesinnt, nicht zuletzt, weil sie sich schon immer einen Grafen als Gatten gewünscht hatte. Melcher Böhni, ein «geborener Zweifler» durchschaut schon bald die Situation und will durch einen grotesken theatralischen Aufzug in Goldach den armen Schneider öffentlich blossstellen. Auch hofft er, Nettchen für sich gewinnen zu können.
Sie aber sucht den flüchtenden «Grafen» und findet ihn halberfroren auf dem Rückweg nach Seldwyla. In einem Bauernhaus wird die Situation geklärt und es kommt zur Versöhnung. Nettchen erhält zwar keinen Grafen zum Mann, aber einen tüchtigen Schneidermeister.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 6

Auswanderung - Eine Stimme aus dem Tessin
Plinio Martini: Il fondo del sacco

Aus der Sicht des jungen Gori erzählt Plinio Martini (1923-1979) ausführlich über Not und äusserste Armut der Bewohner eines Bergdorfes im hintersten Teil des Verzascatales. Der hoffnungslose Zustand zwingt vor allem die männliche Jugend, weit entfernt von der Heimat nach Arbeit zu suchen. Die Leidensgeschichte des jungen Gori wird von einer zarten und berührenden Liebesgeschichte begleitet.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 5

Dank an die Musik
Johanna Spyri: Einer vom Hause Lesa

In dieser längeren Erzählung beschreibt die Heidi-Autorin die Entwicklung eines musikalisch begabten Kindes. Vinci träumt ständig vor sich hin und lauscht auf innere Melodien. Der Vater macht sich Sorgen. Wie kann aus diesem Buben ein tüchtiger und froher Bauer werden, der einst den schönen Hof übernehmen soll? Beim Vetter Lorenz mit seiner lebhaften Bubenschar hoch oben auf dem Simplonpass wird Vinci das Landleben kennen und lieben lernen, so denkt der Vater. Pater Silvanus, der sich im Hospiz zurückgezogen hat, nimmt die Begabung des Jungen wahr. Er will ihm täglich Musikunterricht erteilen. Ein deutscher Gast im Hause Lesa will sich des Kindes annehmen. Die Eltern haben volles Vertrauen zu ihm. Er nimmt Vinci nach Dresden, wo er zum Musiker ausgebildet wird - zur Freude aller, auch des Vaters. Einer der Buben vom Berg steht dem Bauern voller Begeisterung bei der Landarbeit bei.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 4

Eine Nacht in Eis und Schnee
Adalbert Stifter: Bergkristall

Bekannt ist diese Erzählung von Adalbert Stifter auch unter dem Titel «Der Heilige Abend». Zwei Kinder besuchen kurz vor Weihnachten ihre Grosseltern, die auf der anderen Seite des Berges wohnen. Um zu ihnen zu gelangen, müssen sie diesen übersteigen. Bei der Rückkehr werden Konrad und Susanna vom dicht fallenden Schnee, der ihnen die Sicht nimmt, überrascht. Sie verlieren die Orientierung und müssen die Christnacht in einer geschützten Felsgrotte verbringen.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 3

Frisch gewagt ist halb gewonnen
Gottfried Keller: Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Sieben «Vaterlandfreunde» und eigenwillige Originale beschliessen, am eidgenössischen Freischiessen mit eigener Fahne und Ehrengabe anzutreten. Diesem Bund gehören auch der reiche Frymann und der arme Schneidermeister Hediger an. Wegen des sozialen Unterschiedes sind beide Väter gegen eine Heirat ihrer Kinder Karl und Hermine. Frymann der als Festredner gewählt wird, versagt und will sich im letzten Moment zurückziehen. Karl, der Sohn von Hediger, tritt am Fest an Frymanns Stelle auf, hält eine launige Rede für die Alten und rettet damit die peinliche Situation. Nachdem er sich - von Hermine ermutigt und geführt - auch als tüchtiger Schütze erweist, gewinnt er das Vertrauen der Alten und Hermine zur Braut.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 2

Wer sucht, der findet
Jeremias Gotthelf: Wie Joggeli eine Frau sucht

Der junge Bauernsohn Joggeli will heiraten und sucht eine Frau «wie seine Mutter selig». Als Kesselflicker verkleidet geht er von Hof zu Hof, bittet um Arbeit und beobachtet dabei das Benehmen der heiratsfähigen Bauerntöchter. Durch die bewusst herausfordernde Art seines Auftretens macht er gerade bei den vielgerühmten Mädchen die unglaublichsten Erfahrungen, da sie meinen, sie müssten sich vor ihm nicht verstellen. In Anne Mareili, die liebevoll mit Mensch und Tier umgeht und auf seine frechen Annäherungsversuche kräftig zu antworten weiss, findet er endlich die für ihn und den reichen Bauernhof richtige Frau.

Signatur VAR Melodien und Worte 149 1